Eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert

Was die Bewohner der Vergangenheit uns selbst verraten

Manchmal ärgert es mich richtiggehend, dass noch niemand eine Zeitmaschine erfunden hat. Vielleicht liegt der Reiz der Geschichte ja auch darin, dass wir manche Dinge niemals abschließend wissen werden, aber ich würde trotzdem liebend gerne einmal durch die Vergangenheit wandeln und erleben, wie es damals wirklich aussah, Menschen sehen, über die ich schon so viel gehört habe, einfach selbst dabei sein. Dass das nicht geht, ist vielleicht der Grund, weshalb ich mich so gerne in historischen Filmen, Computerspielen und natürlich vor allem Romanen verliere. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, vergangenen Zeiten nachzuspüren. Wir können die echten Zeugnisse der Menschen lesen, die damals gelebt, gefühlt, gelacht und gelitten haben. Deshalb stelle ich euch heute drei Quelleneditionen vor, die uns auf ganz eigene Weise eine kleine Zeitreise ins 18. Jahrhundert ermöglichen. Perücke auf, Puder ins Gesicht und los geht’s!

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Schlechte Vorzeichen | Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale*

Marie Antoinettes Heirat mit dem französischen Thronfolger

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt.

Fast jeder kennt das Ende von Marie Antoinette: Die Königin starb auf dem Schafott der Revolution. Dabei war sie zwanzig Jahre zuvor noch die Hoffnungsträgerin der Monarchie. Aber schon die Hochzeit der österreichischen Erzherzogin mit dem französischen Thronfolger im Jahr 1770 wurde von traurigen Ereignissen getrübt. Das junge Mädchen musste alles zurücklassen, fühlte sich in der neuen Heimat fremd. Und bei einer öffentlichen Feier für die Bürger kam es zu einer Massenpanik. Diese ist der Ausgangspunkt des Krimis von Jean-François Parot. Denn eines der vermeintlichen Opfer, eine junge Frau, wurde ganz eindeutig ermordet. Der Fall ruft Commissaire Le Floch auf den Plan.

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Zwischen Hell und Dunkel | Dagmar Fohl, Palast der Schatten

Das frühe Kino

Heutzutage sind bewegte Bilder allgegenwärtig. Wir sehen sie uns auf unseren Computern oder Smartphone-Bildschirmen an, gönnen uns manchmal vielleicht einen Kinobesuch (womöglich in 3D), aber wir sind in jedem Fall daran gewöhnt. Als das Medium Film noch ganz neu war, war das vollkommen anders. Was wir heute beinahe langweilig finden, war für die Menschen des frühen 20. Jahrhunderts eine überwältigende Erfahrung. Dagmar Fohl verarbeitet in ihrem Roman „Palast der Schatten“ die Faszination, die das Kino der Stummfilmära auf die Zuschauer ausübte – und den Einbruch der schonungslosen Wirklichkeit in Gestalt des Ersten Weltkriegs.

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Einsames Sterben | Tanja Kinkel: Im Schatten der Königin

Der Todesfall Amy Robsart

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England, 1560. Mit niemandem flirtet Königin Elizabeth I. so ausgelassen wie mit Robert Dudley. Alle befürchten, sie würde ihn heiraten – wäre da nicht seine Ehefrau. Und dann wird Amy Robsart mit gebrochenem Genick am Fuß einer Treppe aufgefunden. Das weckt Verdacht, und Roberts Vertrauter, Thomas Blount, soll die Sache aufklären. Tanja Kinkel hat den mysteriösen Kriminalfall aus der Tudor-Zeit in einen spannenden Roman verpackt. War es ein Unfall, Mord oder Suizid? Oder könnte etwas ganz anderes dahinterstecken?

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Ausschnitt des Covers des Romans "Die Hexe von Freiburg" von Astrid Fritz.

Brennender Hass | Astrid Fritz: Die Hexe von Freiburg

Die Hexenverfolgung in Freiburg

1546. Schon die Geburt von Catharina Stadellmenin steht unter keinem guten Stern, denn an jenem Tag wird in Freiburg im Breisgau die erste Hexe hingerichtet. Und auch ihr weiterer Lebensweg ist steinig, denn als einfache Frau muss sie ständig dafür kämpfen, für sich selbst einstehen zu dürfen. In ihrer Welt haben Männer das Sagen. Immer wieder muss sie sich zwischen ihrem Unabhängigkeitsdrang, einem Leben in Sicherheit und ihrer großen Liebe entscheiden. Und Frauen, die die Freiheit lieben, werden neuerdings gerne mit Hexerei in Verbindung gebracht… Catharina Stadellmenin hat es wirklich gegeben. Das ist ihre Geschichte.

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Im Namen der Familie | Sarah Dunant: Die letzte Borgia

Die Borgia-Geschwister zwischen Wahrheit und Legende

Intrigen und Todesfälle haben die päpstliche Familie bereits erschüttert. Trotzdem endet die Geschichte der Borgia noch lange nicht. Je älter der Pontifex wird, desto stärker treten seine Kinder in den Vordergrund. Cesare blüht voll und ganz in seiner neuen Rolle als Feldherr auf, während seine Schwester Lucrezia einer ungewissen Zukunft und ihrer dritten Ehe entgegengeht. Bereits jetzt ranken sich um das Leben der Papstfamilie unzählige Schauergeschichten, von Giftmord bis Blutschande. Um das Schicksal der Geschwister, den Niedergang der Familie und um die Mechanismen der Legendenbildung geht es in Sarah Dunants zweitem Renaissance-Roman „Die letzte Borgia“.

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Ausschnitt des Covers von "Der Kaufmann und die Unbeugsame" von Daniela Wander.

Mordverdacht am Hof | Daniela Wander: Der Kaufmann und die Unbeugsame*

Das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg und die Religionspolitik

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt.

Jülich-Kleve-Berg, 1541. Dame Jolanda von Auerbroich hat ein Problem. Es heißt Walther von Doncerbusch, war ihr Verlobter und liegt mit aufgeschnittener Kehle im Garten eines Frauenklosters. Für Conrad Frankh gestaltet sich das Problem ähnlich. Nur, dass er nicht mit Doncerbusch verlobt, sondern in zwielichtigen Geschäften verbunden war. Unpraktischerweise halten sich beide zum Mordzeitpunkt im Kloster auf und müssen fortan zusehen, die Aufmerksamkeit der Ermittler von sich abzulenken, die eigentlich mit einer ganz anderen politischen Mission beschäftigt sind.

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Mafia im Vatikan? | Sarah Dunant: Der Palast der Borgia

Von Morden und Mythen

Man hält sie nicht gerade für die feine Gesellschaft der Renaissance. Die Borgia werden mit der mafiösen Familie aus „Der Pate“ verglichen oder gleich als „The original crime family“1 bezeichnet. Der Legende nach waren sie Giftmischer und Mörder, und doch bewunderten sie viele für ihren kometenhaften Aufstieg im Vatikan. Bis einer der ihren einem Meuchelmord zum Opfer fiel und der Zusammenhalt der Familie erstmals ins Wanken geriet. Heute geht es um die Verwicklungen, von denen Sarah Dunant in „Der Palast der Borgia“ erzählt.
(! Manche Details der Handlung könnten gespoilert werden. >>Direkt zur Rezension<<)

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