Schiffe versenken mit Moby Dick | Owen Chase: Tage des Grauens und der Verzweiflung *

Wehrhafte Wale

 * Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt. 

Ein riesiger Wal rammt ein Schiff, das daraufhin untergeht. Kommt euch die Story vage bekannt vor? Das Ereignis, das zentral für Herman Melvilles Klassiker „Moby Dick“ ist, beruht auf einem wahren Bericht. Wer meinen Artikel zur Zeitreise ins 18. Jahrhundert kennt, der weiß, dass ich die Geschichte nicht nur gerne als Fiktion, sondern auch durch die Worte der Zeitgenossen erlebe. Heute wird der Spieß also wieder umgedreht und wir schauen uns an, wie es der Besatzung der Essex erging, wie der Steuermann Owen Chase das Geschehen schilderte und was Herman Melville in „Moby Dick“ daraus machte (auch, wenn das streng genommen gar kein historischer Roman ist).

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Reliquienjagd | Dirk Husemann: Die Eispiraten

Der Leichentransport des Heiligen Markus

Ein absurdes Versprechen des Dogen von Venedig, seine vorwitzige Tochter, eine bunte Schiffsbesatzung, fiese Gegenspieler und eine schier unmögliche Mission. Der Roman „Die Eispiraten“ von Dirk Husemann vermischt zahlreiche Legenden und Geschichten: Wikinger, die mit ihrem Drachenboot übers Mittelmeer segeln, die ersten Experimente mit Speiseeis, den Diebstahl der Gebeine des Heiligen Markus… Und was, bei Thors magischem Hammer, hat Alexander der Große mit alldem zu tun?!

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Von Pazzi und Päpsten | Richard Dübell: Eine Messe für die Medici

Das Attentat auf Lorenzo den Prächtigen

Der Kaufmann Peter Bernward weilt mit seiner Lebensgefährtin Jana in Florenz, der prächtigen Renaissance-Stadt, die von den Medici beherrscht wird. Ausgerechnet zu Ostern 1478 wird ein Attentat auf den Machthaber Lorenzo verübt, welches eine Reihe von Verhaftungen nach sich zieht. Und ausgerechnet Jana gehört zu den Verdächtigen! Peter Bernward versucht, die Verschwörung aufzuklären, bevor seine Geliebte am Galgen endet. Genau wie die Akteure aus dem Roman „Eine Messe für die Medici“ von Richard Dübell begeben wir uns heute auf die historischen Spuren des Anschlags, bei dem nicht nur die rivalisierende Familie der Pazzi, sondern sogar die päpstliche Kurie in Rom die Finger im Spiel hatte…

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Ausschnitt des Covers von "Die Wachsmalerin" von Sabine Weiss

Die Geschäftsidee von Madame Tussaud | Sabine Weiss: Die Wachsmalerin

Marie Grosholtz und die Revolution

Wachsfiguren waren im 18. Jahrhundert der letzte Schrei – und kein Name verkörpert diese Kunst besser als der von Madame Tussaud. In einer Zeit ohne Live-TV und Instagram bildete sie das Tagesgeschehen und die ersten Prominenten ab. Als modernes Unternehmen ist Madame Tussauds heute auf der ganzen Welt vertreten, doch auch Marie Grosholtz hat klein angefangen. Und makaber. Um ihr Geschäft vor und während der Französischen Revolution geht es im Roman „Die Wachsmalerin“ von Sabine Weiss. Aber stimmt es wirklich, dass Marie die blutigen Köpfe der frisch guillotinierten Revolutionsopfer in Wachs verewigen musste? Ich gehe den Legenden heute auf den Grund – denn in Sachen Marketing machte Madame Tussaud schon damals keiner etwas vor.

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Ausschnitt

Universitätsgründungen | Johanna von Wild: Die Erleuchtung der Welt *

Mechthild von der Pfalz und Eberhard im Barte

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt.

Dass Frauen in der Vergangenheit nichts zu melden hatten, ist nicht immer richtig. Mechthild von der Pfalz war eine Frau, die im ausgehenden Mittelalter großen Einfluss hatte und ein bedeutendes Vermächtnis hinterließ. Der Roman „Die Erleuchtung der Welt“ von Johanna von Wild handelt unter anderem von Mechthilds Lebensgeschichte, ihrem Sohn Eberhard und den beiden Universitätsgründungen, bei denen sie ihre Hände im Spiel hatte: Freiburg und Tübingen.

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Ausschnitt des Covers von "Die drei Betrüger" von Ursula Janssen

Ketzerische Schriften | Ursula Janssen: Die drei Betrüger *

Das Traktat „De tribus impostoribus“, der Atheismus und die Macht

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von der Autorin zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt.

Viele historische Romane handeln von geheimnisvollen oder verbotenen Manuskripten, was zeigt, wie viel Macht Bücher haben – deshalb liebe ich solche Geschichten! In Ursula Janssens Roman „Die drei Betrüger“ geht es um ein besonders brisantes Werk, nämlich ein gleichnamiges Traktat. Es greift nicht nur die Lehren der Kirche an, sondern gleich den Glauben selbst. Es ist ein atheistisches Manifest. Und daran sind ziemlich viele Leute ziemlich interessiert. Wenn es denn existiert…

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Eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert

Was die Bewohner der Vergangenheit uns selbst verraten

Manchmal ärgert es mich richtiggehend, dass noch niemand eine Zeitmaschine erfunden hat. Vielleicht liegt der Reiz der Geschichte ja auch darin, dass wir manche Dinge niemals abschließend wissen werden, aber ich würde trotzdem liebend gerne einmal durch die Vergangenheit wandeln und erleben, wie es damals wirklich aussah, Menschen sehen, über die ich schon so viel gehört habe, einfach selbst dabei sein. Dass das nicht geht, ist vielleicht der Grund, weshalb ich mich so gerne in historischen Filmen, Computerspielen und natürlich vor allem Romanen verliere. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, vergangenen Zeiten nachzuspüren. Wir können die echten Zeugnisse der Menschen lesen, die damals gelebt, gefühlt, gelacht und gelitten haben. Deshalb stelle ich euch heute drei Quelleneditionen vor, die uns auf ganz eigene Weise eine kleine Zeitreise ins 18. Jahrhundert ermöglichen. Perücke auf, Puder ins Gesicht und los geht’s!

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Schlechte Vorzeichen | Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale *

Marie Antoinettes Heirat mit dem französischen Thronfolger

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt.

Fast jeder kennt das Ende von Marie Antoinette: Die Königin starb auf dem Schafott der Revolution. Dabei war sie zwanzig Jahre zuvor noch die Hoffnungsträgerin der Monarchie. Aber schon die Hochzeit der österreichischen Erzherzogin mit dem französischen Thronfolger im Jahr 1770 wurde von traurigen Ereignissen getrübt. Das junge Mädchen musste alles zurücklassen, fühlte sich in der neuen Heimat fremd. Und bei einer öffentlichen Feier für die Bürger kam es zu einer Massenpanik. Diese ist der Ausgangspunkt des Krimis von Jean-François Parot. Denn eines der vermeintlichen Opfer, eine junge Frau, wurde ganz eindeutig ermordet. Der Fall ruft Commissaire Le Floch auf den Plan.

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Zwischen Hell und Dunkel | Dagmar Fohl: Palast der Schatten

Das frühe Kino

Heutzutage sind bewegte Bilder allgegenwärtig. Wir sehen sie uns auf unseren Computern oder Smartphone-Bildschirmen an, gönnen uns manchmal vielleicht einen Kinobesuch (womöglich in 3D), aber wir sind in jedem Fall daran gewöhnt. Als das Medium Film noch ganz neu war, war das vollkommen anders. Was wir heute beinahe langweilig finden, war für die Menschen des frühen 20. Jahrhunderts eine überwältigende Erfahrung. Dagmar Fohl verarbeitet in ihrem Roman „Palast der Schatten“ die Faszination, die das Kino der Stummfilmära auf die Zuschauer ausübte – und den Einbruch der schonungslosen Wirklichkeit in Gestalt des Ersten Weltkriegs.

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