Ausschnitt

Universitätsgründungen | Johanna von Wild: Die Erleuchtung der Welt *

Mechthild von der Pfalz und Eberhard im Barte

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Themenschwerpunkt meines Artikels und der Inhalt meiner Rezension bleiben davon unberührt.

Dass Frauen in der Vergangenheit nichts zu melden hatten, ist nicht immer richtig. Eine Frau, die im ausgehenden Mittelalter großen Einfluss hatte und ein bedeutendes Vermächtnis hinterließ, war Mechthild von der Pfalz. Der Roman „Die Erleuchtung der Welt“ von Johanna von Wild handelt unter anderem von Mechthilds Lebensgeschichte, ihrem Sohn Eberhard und den beiden Universitätsgründungen, bei denen sie ihre Hände im Spiel hatte: Freiburg und Tübingen.

1. Eine frühe Verlobung

Bereits in Kindertagen kreuzen sich durch Zufall die Wege von Mechthild, der pfälzischen Kurfürstentochter und der (fiktiven) Protagonistin Helena. Letztere hat einen weitaus schlechteren Start ins Leben: Der Vater, ein Tagelöhner, stürzt sich nach dem frühen Tod der Mutter in die Trunksucht und häuft Spielschulden an. Die junge Helena muss diese bei seinem Gläubiger, einem Winzer, abarbeiten. Nachdem es ihr dort denkbar schlecht ergeht, flüchtet sie. Eine abenteuerliche Verkettung von Ereignissen führt sie zunächst ins Kloster Lobenfeld, wo sie eine fundierte Ausbildung erhält, und schließlich an den Heidelberger Hof, wo sie zur engsten Gefährtin der gleichfalls herausragend gebildeten Mechthild wird. Als diese heiratet, folgt Helena ihr in die neue Heimat.

Mechthild wurde 1419 geboren und war die Tochter des Pfalzgrafen Ludwig III. Mit Heidelberg wuchs sie in der Stadt auf, in der sich die älteste Universität Deutschlands befindet. 1434 heiratete sie den Grafen von Württemberg, Ludwig I., mit dem sie schon als kleines Kind verlobt worden war. Mechthilds Gatte und sein Bruder, Ulrich V., teilten die württembergischen Ländereien auf – dafür war die Zustimmung der Mutter, Henriette von Mömpelgard, notwendig (ich möchte sie ihres lustigen Namens wegen erwähnen). Im Nürtinger Vertrag von 1442 wurde Ulrich der Stuttgarter und Ludwig der Uracher Teil zugestanden.1 Urach (heute: Bad Urach) wurde von Ludwig als Residenzstadt ausgewählt, wo er mit Mechthild das Schloss bezog.

Portraitzeichnung der Mechthild von der Pfalz in einer Handschrift
Mechthild von der Pfalz in einer zeitgenossischen Abbildung.

(Bildquelle2)

2. Gräfin von Württemberg und kämpferische Witwe

Helena hat als Vertraute der Gräfin eine hervorragende Position inne, die auch das Interesse einiger Männer weckt – obwohl sie keine Adelige ist. Trotzdem hängt sie einer alten Jugendliebe nach und kann sich nicht durchringen, ihre relativen Freiheiten für die Ehe aufzugeben. Und nicht zuletzt eckt sie auch öfter an, denn sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und zögert nicht, bei den hohen Herren aufzubegehren, wenn den einfachen Leuten Unrecht widerfährt. Und auch ihre gräfliche Freundin muss sie oft trösten, denn Mechthild und Ludwig I. ist nicht das familiäre Glück beschieden, das für die Dynastie wichtig wäre.

Denn nach der Geburt einer Tochter stellte sich zwar ein Erbe ein, der ebenfalls Ludwig genannt wurde. Er litt jedoch an der „Fallsucht“ – Epilepsie. Nicht nur assoziierte man diese Krankheit damals mit einer göttlichen Strafe oder gar Besessenheit, vor allem stellten die Zeitgenossen seine künftige Herrschaftsfähigkeit in Frage. Nach dem frühen Tod eines weiteren Sohnes wurde deshalb 1445 die Geburt eines gesunden Kindes, das auf den Namen Eberhard getauft wurde, mit Erleichterung begrüßt.3

Ein Bildnis Ulrichs von Württemberg
Mechthilds Schwager, Ulrich V. von Württemberg, Darstellung in der Stuttgarter Stiftskirche.

(Bildquelle4)

Kampf um die Vormundschaft

Bereits 1450 allerdings starb Ludwig I. an der Pest. Nicht nur im Roman dürfte der relativ frühe Tod des Grafen ein Schock für Mechthild gewesen sein, denn sie hatte zwei minderjährige Kinder, was ihre Stellung gefährlich ins Wanken brachte. Die Vormundschaft ging an Ulrich V., den Onkel der Stuttgarter Linie. Wohl nicht ganz unberechtigt befürchtete Mechthild, ihr Schwager könnte die Jungen übervorteilen oder für seine eigenen Interessen einspannen. Wahrscheinlich deshalb konzentrierte sich die Fürstenmutter darauf, ihren beiden Söhnen viele Rechte und die Unterstützung durch andere Fürsten zu sichern und sie möglichst aus Ulrichs Einflussbereich herauszuhalten. Vor allem dadurch ist zu erklären, dass sie schon 1452 eine zweite, politisch vorteilhafte Ehe einging.5

3. Durch Ehe zur Erzherzogin

So gut Helena auch weiß, dass eine Heirat aus Kalkül und Notwendigkeit heraus normal ist, kann sie sich im Gegensatz zu ihrer fürstlichen Freundin nicht dazu durchringen. Ihre Eigenständigkeit ist ihr lieber als die Sicherheit an der Seite eines Mannes, für den sie nichts übrig hat – zumal auch ihr Peiniger von einst immer wieder auftaucht und danach trachtet, ihr Leben für immer zu zerstören. Und schließlich überwirft sie sich auch noch mit Mechthild, die ihre langjährige Vertraute vom Hof verjagt. Helena ist auf sich allein gestellt. Bis sie jemanden trifft, mit dem sie längst nicht mehr gerechnet hatte.

#Albrecht VI. von Österreich war der jüngere Bruder des Kaisers Friedrich III. Die beiden hatten oft Streit, denn Albrecht als Zweitgeborener musste sich sehr bemühen, überhaupt ein Erbe zu erhalten. Nachdem er einige Zeit als Fürst ohne Land gegolten hatte, wurde er von seinem Bruder (kurz nach der Heirat mit Mechthild) zum Erzherzog erhoben und erhielt unter anderem Vorderösterreich als eigenes Territorium auf Lebenszeit.6

Mechthilds zweite Ehe wurde in der älteren Forschung oft als eine unglückliche bezeichnet, auch wenn es dafür wenige Indizien gibt. Natürlich handelte es sich mitnichten um eine Liebesheirat, beide Partner profitierten jedoch politisch von der Verbindung. Es war also eher eine Zweckgemeinschaft, weshalb Albrecht und Mechthild auch oft getrennt voneinander wohnten – er größtenteils in Freiburg, sie in Rottenburg am Neckar. Dass sie sich anscheinend nicht um Nachwuchs bemühten, ist von Mechthilds Seite aus mit der Absicherung ihrer Kinder aus erster Ehe und aus Albrechts Perspektive mit der unsicheren territorialen Lage zu erklären (sein Sohn hätte keinen Erbanspruch auf Vorderösterreich gehabt). Von einer gegenseitigen Abneigung muss man deshalb nicht ausgehen. Aber Albrecht starb 1463 unter dubiosen Umständen (manche vermuten einen Giftmord), sodass Mechthild zum zweiten Mal Witwe wurde.7

Bildnis von Albrecht VI., Erzherzog von Österreich und Gründer der Universität Freiburg
Albrecht VI. von Österreich. Im Hintergrund ist das damalige Hauptgebäude der Universität Freiburg, das heutige Neue Rathaus, abgebildet.

(Bildquelle8)

4. Kunst und Kultur unter Mechthild

Im einfachen Volk hatten Witwen es oft besonders schwer, weil sie in vielen Fällen ihren sozialen Status und familiären Schutz völlig verloren und von ihnen ein frommes, gottesfürchtiges Leben erwartet wurde. Handelte es sich um wohlhabende Witwen oder Fürstinnen, konnte das schon ganz anders aussehen. Mechthild gehörte dieser Gruppe, und auf ihren jeweiligen Witwensitzen konnte sie sich als Förderin von Kunst und Kultur betätigen.

4.1. Gründung der Universität Freiburg: Mythos und Wahrheit

Als eine Krönung von Albrechts erfolgreicher Herrschaft über Vorderösterreich (oder deren Inszenierung) kann die Gründung der Universität Freiburg im Jahr 1457 gesehen werden. Er erhielt dafür die Erlaubnis von Papst Kalixt (dem Onkel des späteren Borgia-Papstes Alexander VI.) und von Friedrich III., dem kaiserlichen Bruder. Immer wieder wurde Mechthild als treibende Kraft hinter dem Vorhaben genannt, da Albrecht gar nicht den nötigen Bildungsgrad und somit gar nicht erst die Idee zur Universitätsgründung gehabt haben könne.9

Das scheint jedoch eher ein Mythos zu sein, befeuert davon, dass Albrecht VI. nach seinem Tod ein eher unbeliebter Habsburger war und ein Einfluss Mechthilds aufgrund ihrer Persönlichkeit gut ins Bild gepasst hätte. Es gibt aber keine konkreten Hinweise darauf, dass die Gründung von ihr initiiert wurde. Vielmehr stritt sie später mit der Universität Freiburg um die Einkünfte der Pfarrei Rottenburg, die Albrecht für seine Universität vorgesehen hatte, obwohl sie eigentlich Mechthild zustanden. Hätte sie die Universität aktiv gefördert, hätte sie ihr die Mittel sicherlich bereitwillig überlassen. Wahrscheinlicher ist, dass Albrecht selbst mit dem Projekt ein Zeichen für seine Frömmigkeit und sein Seelenheil setzen wollte. Mechthild wird es vermutlich nicht abgelehnt haben, stand ihm aber eher indifferent gegenüber.10 Sie übte ihren Einfluss an anderer Stelle aus.

4.2. Mäzenin der Muße in Rottenburg

Der Witwensitz nach Mechthilds erster Ehe mit Ludwig war Böblingen gewesen. Nach dem Tod von Albrecht, dem zweiten Gatten, residierte sie in Rottenburg, wo sie sich auch während der Ehe aufgehalten hatte. In der älteren Forschung war oft davon die Rede, dass sie dort einen „Musenhof“ eingerichtet hätte, einen literarischen Zirkel, der in der Region seinesgleichen gesucht hätte. Diese Überhöhung als besonders literarische Frau wird durch die neuere Forschung bezweifelt, wenngleich sie einen recht guten Bildungsgrad gehabt haben dürfte. Sicher ist, dass Mechthild sehr gut vernetzt war und an ihrem Hof ein Umfeld für künstlerische Aktivitäten bot, was aber laut Christine Wand-Wittkowski nicht heißt, dass es sich um einen außergewöhnlich erlesenen literarischen Zirkel gehandelt haben muss.11 Ihre Bedeutung für die Kultur besteht dennoch bis heute: Die Rottenburger Narrenzunft führt die Fasnetstradition der Stadt bis in Mechthilds Zeiten zurück und würdigt sie jedes Jahr als Patronin ihres Brauchtums.

Sich als Gönnerin von Künstlern zu inszenieren, war abseits der persönlichen Vorlieben auch ein Mittel, den eigenen Ruf zu verbessern und das Bild einer gebildeten Fürstin zu erwecken, was Mechthild sicherlich geschafft hat. Konstantin Langmaier spricht deshalb von einem „ausgeprägten Gelegenheitsmäzenatentum“12, denn einzelne Literaten förderte sie in der Tat. Außerdem besaß sie eine Bibliothek von mindestens 94 Büchern, was für diese Zeit sehr viel war. Mechthild war also vielleicht nicht die treibende Kraft für die literarischen Leistungen des ausgehenden Mittelalters, betätigte sich aber dennoch als Mäzenin – das passt aus meiner Sicht auch zu dem sonstigen Eindruck einer selbstbewussten und selbstständigen Frau, den wir in anderen Bereichen von ihr gewonnen haben.

4.3. Attempto: Graf Eberhard im Barte und die Universität Tübingen

Mechthilds erstgeborener Sohn, Ludwig II., starb schon 1457. Eberhard trat die Nachfolge an, was wegen der Epilepsie seines Bruders schon länger vorausgesehen worden war. Er erhielt eine Erziehung, die einem Fürstensohn angemessen war. Es bleibt allerdings zu vermuten, dass es durch die vielen Streitereien um die Vormundschaft Brüche in seiner Ausbildung gab.13 Ähnlich wie seine Mutter bemühte er sich aber um die Förderung von Kultur und Gelehrsamkeit und gab beispielsweise die Übersetzung einer antiken indischen Fabelsammlung in Auftrag und richtete eine Druckerei in Urach ein.

Gemälde des württembergischen Grafen Eberhard im Barte
Graf Eberhard im Barte. Um die Palme in seiner Hand ist ein Spruchband mit dem Motto „Attempto“ gewunden.

(Bildquelle14)

Eberhard unternahm eine Pilgerreise nach Jeursalem, während der er seinen Bart nicht mehr stutzte. Daher stammen sein Beiname „Eberhard im Barte“ sowie die Palme in seinem Wappen. Vor seiner Reise ins Heilige Land soll außerdem sein Leitspruch „Attempto!“ entstanden sein, lateinisch für „Ich wag’s!“ Auch nach Italien unternahm Eberhard verschiedene Reisen und besuchte Venedig, Mailand und Florenz (dort traf er unter anderem Lorenzo den Prächtigen). In diesen Städten, wo der Renaissance-Humanismus bereits blühte, erwarb er zahlreiche Bücher für seine Bibliothek. Und aus Mantua brachte er 1474 eine Ehefrau mit: Barbara Gonzaga, die Tochter des Markgrafen Ludovico. Auch Barbara trug ihren Teil dazu bei, die Kultur und den Geist der italienischen Renaissance ins beschauliche Urach zu bringen.15 Der Palmensaal im Schloss wurde mit seiner bis heute erhaltenen Bemalung anlässlich der prunkvollen Hochzeit neu gestaltet und mit den Wappen der beteiligten Familien ausgemalt.

Der Roman "Die Erleuchtung der Welt" von Johanna von Wild vor dem Residenzschloss Urach.
“Die Erleuchtung der Welt“ vor dem Uracher Schloss, in welchem Mechthild und Eberhard zeitweise residierten.

(Bildquelle16)

Der vielleicht wichtigste Aspekt von Eberhards Vermächtnis ist die Gründung der Universität Tübingen im Jahr 1477. Er trug damit seiner Liebe zum Wissen und seiner Frömmigkeit als Landesherr Rechnung und orientierte sich an der Stiftungsurkunde der 20 Jahre eher gegründeten Freiburger Universität. Anders als in Freiburg hatte Mechthild hierbei sehr wahrscheinlich ihre Finger im Spiel. Denn zur Finanzierung der Universität verwendete Eberhard die Einkünfte des Sindelfinger Stifts, der zum Witwenbesitz seiner Mutter gehörte. Es scheint also berechtigt, sie hier als Mitstifterin zu betrachten, was auch ein Gedenkrelief sowie mehrere Urkunden bezeugen.17 Auch, wenn Mechthilds Rolle als literarisch gebildete Fürstin in Rottenburg eventuell überschätzt wurde, leistete sie unterm Strich definitiv ihren Beitrag zur „Erleuchtung der Welt“, um mit dem Titel des Romans zu sprechen.

Mechthild von der Pfalz und Eberhard im Bart
Eine Kopie des Sindelfinger Gedächtnissteins, der Mechthild und Eberhard betend zeigt und an die Gründung der Universität Tübingen erinnert.

(Bildquelle18)

Auch die Einigung Württembergs fiel noch in Eberhards Lebzeiten. 1482, im Todesjahr seiner Mutter Mechthild, wurde der Münsinger Vertrag geschlossen, der die künftige Unteilbarkeit des Landes festlegte und Eberhard als Herrscher festsetzte, woraufhin dieser seine Residenz nach Stuttgart verlegte. 1495 wurde er zum Herzog erhoben. Er selbst starb jedoch schon im folgenden Jahr. Seither wird er in der lokalen Erinnerungskultur als mustergültiger, gebildeter Landesfürst gewürdigt. Im Zuge einer heutigen Bewertung nicht außer Acht gelassen werden darf dabei eine Schattenseite seines Lebens, nämlich seine ausgeprägte Judenfeindlichkeit. Er ließ die jüdischen Gemeinden aus Tübingen ausweisen und bestimmte in seinem Testament deren Vertreibung aus ganz Württemberg.19

5. Rezension

Cover des Romans "Die Erleuchtung der Welt" von Johanna von Wild
Johanna von Wild: Die Erleuchtung der Welt, Gmeiner Verlag.

Der historischen Lebensgeschichte der Mechthild von der Pfalz stellt die Autorin die fiktive Protagonistin Helena gegenüber. Sie verkörpert einige Stereotype, die oft in historischen Romanen vorkommen: heilkundig, rothaarig, ungewöhnlich emanzipiert. Gleichzeitig fungiert sie dadurch als Bindeglied zwischen der höfischen Gesellschaft und den einfacheren Leuten und kennt beide Welten. Gelegentlich habe ich mich gefragt, weshalb sie, die eigentlich immer so resolut agiert, in gewissen Situationen ihre fürstliche Freundin nicht ins Vertrauen zieht. So, wie die Beziehung der beiden aufgebaut war, hätte ich das realistisch gefunden. Trotzdem habe ich ihr durch die zahlreichen Wendungen des Schicksals hindurch die Daumen gedrückt, dass alles ein gutes Ende nimmt.

Dabei macht es großen Spaß, die Figuren auf ihrer Reise entlang des Neckars – der Roman führt unter anderem nach Heidelberg, Stuttgart, Tübingen sowie Rottenburg und macht einen Abstecher ins Ermstal – zu begleiten. Johanna von Wild, die genau wie ich aus der Region kommt, hat spürbar viel recherchiert und verleiht den liebevoll beschriebenen Schauplätzen einen großen Wiedererkennungswert. Die Geschichte „vor der Haustür“ ist oft besonders faszinierend, aber ich bin mir sicher, dass der Roman auch überregional auf Interesse stößt. Viele historisch belegte Personen werden in die Geschichte hineingewoben, und wir erhalten einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse im Württemberg des ausgehenden Mittelalters, ebenso wie Einblicke in das Alltagsleben der Menschen. Und auch die Legende, wie ein gewisses Laugengebäck in die Welt kam, wird im Roman aufgegriffen. Eine schöne Hommage an den deutschen Südwesten und seine Geschichte!

Stilistisch haben mich die schnellen Perspektivenwechsel innerhalb einzelner Szenen gestört, die teilweise verhindert haben, tiefer in das Innenleben der Figuren einzutauchen und ihr Handeln noch besser nachzuvollziehen. So hätten auch manche Sachverhalte noch lebendiger beschrieben und gezeigt werden können, anstatt bloß nüchtern erzählt zu werden. Damit wäre die Geschichte, die sich ansonsten flüssig lesen lässt, noch fesselnder geworden.

Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich Freude an der Lektüre, die ein historisches Thema abdeckt, über das ich bisher noch keinen Roman gelesen habe. Umso interessanter fand ich dieses Buch, und ich bedanke mich herzlich beim Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Ich bin schließlich in Bad Urach auf ein nach Graf Eberhard benanntes Gymnasium gegangen, Tübingen war immer um die Ecke, in Rottenburg wohnt meine beste Freundin und ich selbst studiere an der Uni Freiburg. Mechthild von der Pfalz kannte ich vor der Beschäftigung mit diesem Roman nicht, und ich bin froh, dass ich durch „Die Erleuchtung der Welt“ auf sie aufmerksam wurde. Durch ihren Lebensweg, ihre kulturellen Aktivitäten und ihren Einfluss auf die beiden Universitätsgründungen im Südwesten verkörpert sie eine bemerkenswerte Verbindung zwischen meinen beiden Heimaten – der alten und der neuen.

Johanna von Wild: Die Erleuchtung der Welt, erschienen am 13. Februar 2019 im Gmeiner Verlag, 406 Seiten.

>>Link zum Verlag<<

  1. Volker Press: Eberhard im Bart von Württemberg als Graf und Fürst des Reiches, in: Hans-Martin Maurer (Hg.): Eberhard und Mechthild. Untersuchungen zu Politik und Kultur im ausgehenden Mittelalter (Lebendige Vergangenheit 17), Stuttgart 1994, S. 9-34, hier S. 11-12.
  2. Bildnis von Mechthild von der Pfalz im Codex Ingeram, von Hans Ingeram, in: Die Wappenbücher Herzog Albrechts VI. von Österreich: Ingeram-Codex d. ehem. Bibliothek Cotta; hrsg. v. Charlotte Becher u. Ortwin Gamber; Wien; Köln; Graz; 1986. Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft Adler; Folge 3, Bd. 12 Jg. 1984/85; ISBN 3-205-05002-9, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6325594, Zugriff am 17.04.2019.
  3. Volker Press: Eberhard im Bart von Württemberg als Graf und Fürst des Reiches, in: Hans-Martin Maurer (Hg.): Eberhard und Mechthild. Untersuchungen zu Politik und Kultur im ausgehenden Mittelalter (Lebendige Vergangenheit 17), Stuttgart 1994, S. 9-34, hier S. 13.
  4. Bildnis Ulrichs V. von Württemberg, Foto von Wuselig, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49240733, Zugriff am 17.04.2019.
  5. Konstantin Moritz Ambrosius Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418-1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 38), Mainz 2015, S. 326-328.
  6. Konstantin Moritz Ambrosius Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418-1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 38), Mainz 2015, S. 341-343.
  7. Konstantin Moritz Ambrosius Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418-1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 38), Mainz 2015, S. 418-424.
  8. Albrecht VI. von Österreich, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9916325, Zugriff am 17.04.2019.
  9. Dieter Speck: Landesherrschaft und Universität – Zum Aufbau einer vorderösterreichischen Landesuniversität in Freiburg, in: Franz Quarthal/Gerhard Faix (Hg.): Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart 2000, S. 217-272.
  10. Dieter Speck: Landesherrschaft und Universität – Zum Aufbau einer vorderösterreichischen Landesuniversität in Freiburg, in: Franz Quarthal/Gerhard Faix (Hg.): Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart 2000, S. 217-272.
  11. Christine Wand-Wittkowski: Pfalzgräfin Mechthild und ihr literarischer Zirkel. Ein Irrtum der Mediävistik, in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 30/1 (2005), S. 1-27.
  12. Konstantin Moritz Ambrosius Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418-1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 38), Mainz 2015, S. 333.
  13. Volker Press: Eberhard im Bart von Württemberg als Graf und Fürst des Reiches, in: Hans-Martin Maurer (Hg.): Eberhard und Mechthild. Untersuchungen zu Politik und Kultur im ausgehenden Mittelalter (Lebendige Vergangenheit 17), Stuttgart 1994, S. 9-34, hier S. 14.
  14. Nicolaus Ochsenbach: Graf Eberhard im Barte, eingescannt aus: Robert Uhland (Hrsgb.): 900 Jahre Haus Württemberg, 3. Aufl., Stuttgart, 1985, ISBN 3-17-008930-7, S. 101, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1991107, Zugriff am 17.04.2019.
  15. Wilhelm Baum: Politische und literarische Beziehungen des Hofes Herzog Sigismunds von Tirol zum Württemberger Hof und den Grafen von Württemberg, in: Hans-Martin Maurer (Hg.): Eberhard und Mechthild. Untersuchungen zu Politik und Kultur im ausgehenden Mittelalter (Lebendige Vergangenheit 17), Stuttgart 1994, S. 95-109, hier S. 101-105.
  16. Der Roman „Die Erleuchtung der Welt“ vor dem Residenzschloss Urach, eigene Aufnahme vom 08.04.2019.
  17. Dieter Mertens: Eberhard im Bart als Stifter der Universität Tübingen, in: Sönke Lorenz (Hg.): Attempto – oder wie stiftet man eine Universität: die Universitätsgründungen der sogenannten zweiten Gründungswelle im Vergleich, Stuttgart 1999, S. 157-173, hier S. 168-169.
  18. Kopie des Sindelfinger Gedächtnissteins im Schloss Urach, Foto von WolfD59, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37641158, Zugriff am 17.04.2019.
  19. Stefan Lang, Die Ausweisung der Juden aus Tübingen und Württemberg 1477 bis 1498, in: Tubingensia. Impulse zur Stadt- und Universitätsgeschichte. Festschrift für Wilfried Setzler zum 65. Geburtstag, hg. von Sönke Lorenz Ostfildern 2008, S. 111-132.

2 Gedanken zu „Universitätsgründungen | Johanna von Wild: Die Erleuchtung der Welt *

  1. Teresa

    „Wahrscheinlicher ist, dass Albrecht selbst mit dem Projekt ein Zeichen für seine Frömmigkeit und sein Seelenheil setzen wollte.“ —- Dann wäre aber eine Klostergründung oder die Bemühung um ein Domkapitel oder einen Bischofssitz für Freiburg sinnvoller gewesen. Daneben hatte Freiburg insofern Glück, als die Herrschaft von Albrecht, die nur wenige Jahre dauerte, der letzte Versuch war, eine eigenständige Herrschaft über jene Gebiete, die später als Vorderösterreich bezeichnet wurden, aufzubauen. Danach waren diese Gebiete nur mehr so etwas wie ein Anhängsel an die Grafschaft Tirol, die neben dem Herzogtum Österreich, das wichtigste Herrschaftszentrum des Habsburger Reiches für die nächsten zwei Jahrhunderte war. Es spricht einiges dafür, dass die zweite „Habsburger-Universität“ ohne Albrechts Herrschaft im späteren Vorderösterreich in Innsbruck verwirklicht worden wäre. In den nächsten Jahrhundert war Freiburg offensichtlich neben Wien die Universität, an der die meisten Räte der Kaiser ausgebildet worden waren.

    Auch nicht übersehen werden, dass es im Spätmittelalter genügend Universitätsgründungen gab, die aus politischen und / oder finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden konnten. Bei der Gründung der Universität Freiburg gab es neben Dotierung noch zwei weitere Hürden, die der Erzherzog überwinden konnte: Konkurrenz mit einer anderen Stadt, einem in der Nähe gelegenen Bischofssitzung, die ebenfalls zu dieser Zeit ihre Universität zu gründen versuchte und dem Heiligen Stuhl als Argument diente, dass eine Universitätsgründung in Freiburg daher gar nicht notwendig wäre, und das Fehlen eines Bischofssitzes oder zumindest eines Domkapitels, das beim Heiligen Stuhl ein häufiges Argument war, um die Erlaubnis zur Universitätsgründung verweigern zu können.

    Dass die Universität Freiburg von einem Habsburger gegründet wurde, und dazu nach dem Vorbild der Wiener Universität, dürfte allerdings für den (habsburgerfeindlichen) Lokalhistorismus im früheren Vorderösterreich und das 21. Jahrhundert (in dem „Habsburger-Bashing zurzeit die große Mode ist, dies zumindest im deutschen Sprachraum) heute ein ziemliches Problem sein, als die Gründung der Universität in Tübingen eindeutige Parallelen zur Gründung der Freiburger Universität aufweist, die Universitätsgründung in Freiburg dürfte das Vorbild für Tübingen gewesen sein …

    Erzherzog Albrecht hatte übrigens enge Kontakte mit Persönlichkeiten der Wiener Universität (die andere Habsburger-Universitätsgründung, die ist übrigens älter ist als die Heidelberger Universität). Es spricht sehr viel dafür, dass die Wiener Universität für Freiburg das Vorbild war. Auf jeden Fall dürfte Freiburg von der Universitätsgründung profitiert haben. Es wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Stadt Freiburg, das sie es nicht einmal für notwendig gehalten hat, im Jahr 2018 des 600. Geburtstag des Gründers ihrer Universität in irgendeiner Form zu gedenken.

    Herzliche Grüße

    Teresa

    • Lea

      Liebe Teresa,

      ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar und die ausführlichen Ergänzungen. Ich war auch erstaunt, dass Albrecht bis heute der Allgemeinheit erstens recht unbekannt ist und zweitens oftmals so negativ bewertet wird. Daraus resultierte wohl auch die Legende, dass er mit der Freiburger Universitätsgründung überhaupt nichts zu tun gehabt habe und diese gänzlich auf Mechthild zurückgehe – was wohl definitiv nicht stimmt, obwohl sie sich bei der Gründung in Tübingen an Freiburg orientierte. Anti-habsburgische Befindlichkeiten sind bestimmt ein Grund für die einseitige Bewertung Albrechts, wobei ich nicht weiß, wie universell diese sind. Vielleicht wurde der Geburtstag auch aus pragmatischen Gründen ignoriert, steht doch das „große“ Stadtjubiläum im kommenden Jahr an. 1968 jedenfalls wurde der sich damals zum 600. Mal jährende Anschluss Vorderösterreichs an Habsburg im Rahmen einer Ausstellung im Augustinermuseum noch regelrecht gefeiert.

      Herzlich
      Lea

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