Im Namen der Familie | Sarah Dunant: Die letzte Borgia

Die Borgia-Geschwister zwischen Wahrheit und Legende

Intrigen und Todesfälle haben die päpstliche Familie bereits erschüttert. Trotzdem endet die Geschichte der Borgia noch lange nicht. Je älter der Pontifex wird, desto stärker treten seine Kinder in den Vordergrund. Cesare blüht voll und ganz in seiner neuen Rolle als Feldherr auf, während seine Schwester Lucrezia einer ungewissen Zukunft und ihrer dritten Ehe entgegengeht. Bereits jetzt ranken sich um das Leben der Papstfamilie unzählige Schauergeschichten, von Giftmord bis Blutschande. Um das Schicksal der Geschwister, den Niedergang der Familie und um die Mechanismen der Legendenbildung geht es in Sarah Dunants zweitem Renaissance-Roman „Die letzte Borgia“.

(Gezwungenermaßen gibt es ein paar Überschneidungen mit dem Artikel zu Sarah Dunants „Der Palast der Borgia“, insbesondere am Anfang. Beide Beiträge können auch alleinstehend gelesen werden, ergänzen sich jedoch gegenseitig.)

1. Lucrezia und Cesare

Wenn man heute über die Borgia spricht, dann stehen – besonders in der Popkultur – die Geschwister Lucrezia und Cesare im Vordergrund. Sie waren in der Tat die wichtigsten Werkzeuge ihres päpstlichen Vaters, Alexanders VI. Die meisten Legenden und Verschwörungstheorien ranken sich demnach um sie. Dabei waren sie gar nicht die einzigen Kinder des lebenslustigen Rodrigo Borgia, der aus früheren Beziehungen schon mindestens drei andere Kinder hatte. Allerdings lebten diese teilweise schon nicht mehr, als seine Karriere steil an Fahrt aufnahm, oder sie hatten bereits eigene Familien und waren damit politisch nicht mehr interessant.1

Gemälde des Borgia-Papstes Alexander VI.

Rodrigo Borgia, der als Papst Alexander VI. in die Geschichte einging.

(Bildquelle2)

1.1. Kindheit an der Kurie

Lucrezia und Cesare wurden, ebenso wie ihre Geschwister Juan und Jofré, geboren, während ihr Vater noch Kardinal war. Die Mutter, Vannozza de Cattanei, war ihm von all seinen Liebschaften die dauerhafteste Gefährtin. Wegen ihres vergleichsweise jungen Alters waren Vannozzas Kinder jene, die für die politischen Bestrebungen eingesetzt werden konnten.

1.2. Der Vater wird Papst

Am 11. August 1492 wurde verkündet, dass Rodrigo Borgia als Alexander VI. zum Papst gewählt wurde. Bei den einfachen Leuten in Rom war der spanische Kardinal durchaus beliebt, denn er war ein Lebemann und zeigte sich gerade den Schwachen gegenüber oft großzügig. Seine politischen Gegner, allen voran Francesco della Rovere (der im Konklave unterlegen war), sind nicht ganz so begeistert und klagten ihn schon bald der schweren Sünde der Simonie, des Ämterkaufs, an. Damit lagen sie vermutlich nicht falsch, allerdings war die Korruption bei jedem Konklave weit verbreitet und keineswegs eine Ausnahme.3

Gemälde von Cesare Borgia, um 1500.

Das vermutlich authentischste Portrait von Cesare Borgia.

(Bildquelle4)

In der ersten Hälfte seines Pontifikats bemühte sich Alexander, seine Macht zu festigen und sich die Kardinäle gewogen zu halten. Dabei half ihm Cesare, dem er bereits als Kind den Weg zur kirchlichen Laufbahn geebnet hatte – obwohl dieser ganz sicher kein Mann des Glaubens war. Nach dem Mord an seinem Bruder Juan, der als Herzog von Gandia die weltlichen Belange des Papstes geregelt hatte, trat Cesare im Sommer 1498 aus dem geistlichen Stand aus. Damit verursachte er einen mittleren Skandal, letztlich aber passte die Rolle als Feldherr deutlich besser zu ihm.5

2. Cesares Feldzug

Er ist erst Mitte 20, dennoch spricht man bereits mit Ehrfurcht von ihm. Die dunklen Gerüchte machen die Leute neugierig. Cesare Borgia, der Herzog von Valentinois, den man auch nur „den Valentino“ nennt, weiß sehr genau, was er will. Und wie er es bekommt. Bisweilen ist er sogar seinem Vater, immerhin das Oberhaupt der Christenheit, ein paar Schritte voraus.

2.1. Ein gerissener Krieger

Cesare ist heutzutage das Paradebeispiel für einen machiavellistischen Politiker – also einen, der kalkuliert und emotionslos nach dem Erhalt seiner Macht strebt. Niccolò Machiavelli, der Staatstheoretiker und Politiker aus Florenz, bescheinigt Cesare in seinem Werk über die Fürstenherrschaft, vieles richtig gemacht zu haben.

Ein Fürst darf also weder ein anderes Ziel noch einen anderen Gedanken haben oder sich mit irgendeiner anderen Kunst befassen als mit der Kriegskunst, ihren Regeln und der ihr eigenen Disziplin; denn dies ist die einzige Kunst, die man von dem erwartet, der befiehlt.6

Der „Valentino“ schaffte es, seine Gegner gegeneinander auszuspielen, sie in falscher Sicherheit zu wiegen und mit seinen Schachzügen alle zu überraschen. Dadurch war er mit seinen Eroberungen sehr erfolgreich und unterwarf große Teile der Region Romagna (mit der Begründung, es handele sich um Ländereien des Kirchenstaats und er erobere sie nur zurück – eine damals gängige Argumentationsweise).

Die tigressa von Forlì

Unter anderem bezwang Cesare die als tigressa bekannte Caterina Sforza, die Gräfin von Forlì. Sie galt als Amazone, die die Regierungsgeschäfte und ihre Truppen selbst führte. Der Geschichtsschreiber Jacob Burckhardt „sah in ihr die Verkörperung der virago schlechthin, eines ‚Mannweibs‘, das sich durch männliches Verhalten auszeichnet – somit das Ruhmvollste, was ein Historiker des 19. Jahrhunderts über eine Frau sagen konnte“7.

Gemälde von Caterina Sforza.

Caterina Sforza, deren Kampfgeist sogar ihren Feinden Respekt abnötigte.

(Bildquelle8)

Caterina schaffte es lange, den Angriffen standzuhalten, doch Cesare hatte die Unterstützung der französischen Armee, und schließlich musste die Kämpferin kapitulieren und wurde gefangengenommen. Die Begegnung von Caterina und Cesare wurde bereits von den Zeitgenossen fantasievoll ausgeschlachtet, was zeigt, wie viel erfuhrchtsvolle Bewunderung beide erfuhren. So ging das Gerücht um, die beiden hätten eine Affäre begonnen. Inwiefern das stimmt, und ob dem möglichen Verhältnis beiderseitiges Einverständnis zugrunde lag, ist heute kaum mehr festzustellen.9

Urbino

Seine Bauernschläue bewies Cesare auch bei der ganz und gar kampflosen Eroberung von Urbino. Das Herzogtum wurde von den Montefeltro regiert, welche sich als Idealherrscher in Szene setzten und in Sachen Kunst und Kultur in der obersten Liga mitmischten. Der Herzog Guidobaldo hatte eigentlich einen guten Draht zu den Borgia, denn technisch gesehen war der Papst sein Lehnsherr, und als Söldnerführer hatte er die päpstlichen Truppen schon oft unterstützt.10

Gemälde von Raffael, das Guidobaldo da Montefeltro zeigt.

Guidobaldo da Montefeltro, dem kein großes Glück beschieden war, portraitiert von Raffael.

(Bildquelle11)

Das hielt Cesare allerdings nicht davon ab, Guidobaldo zu überlisten: Er bat um freien Durchzug für seine Truppen, die offiziell in eine völlig andere Richtung unterwegs waren. So staunte Guidobaldo nicht schlecht, als völlig unvermittelt Cesare mit seinem Heer vor der Tür stand und den einstigen Verbündeten gefangensetzen wollte. Dieser musste auf demütigende Weise, der Legende nach als Bauer verkleidet, fliehen. Und die Einwohner Urbinos, die ihn eigentlich sehr geschätzt hatten, öffneten Cesare aus Angst die Tore. Aus Sicht der Bevölkerung war die Übernahme sicherlich gut – nämlich ohne Blutvergießen – gelaufen, aber die anderen Herrscher sahen Cesares Vorgehen definitiv nicht als die feine englische Art an. Er rechtfertigte sich mit der damals wie heute beliebten Begründung, er sei mit seiner List nur einem Verrat von Guidobaldo da Montefeltro zuvorgekommen.12

2.2. Erbarmungsloser Machtmensch

Es war ein anderer Verrat, an dem die Gnadenlosigkeit Cesares für alle deutlich wurde. Sein skrupelloser Umgang mit der Familie Montefeltro hatte den anderen Söldnerführern gezeigt, dass die Versprechen des Valentino mit Vorsicht zu genießen waren. Vitellozzo Vitelli (der übrigens auch als Drahtzieher für den Mord an Cesares Bruder Juan in Frage kommt) wurde daher zum Anführer eines Komplotts. Gemeinsam mit einigen Sprösslingen der Orsini-Familie (den Borgia stets feindlich gesinnt), Oliverotto da Fermo (der immerhin nicht davor zurückgeschreckt war, seine halbe Verwandtschaft brutal zu ermorden) und einigen anderen wollte er Cesare den Gehorsam verweigern und seinem Eroberungszug ein Ende setzen.13

Blutige Vergeltung

Die Verschwörung blieb jedoch nicht lange unbemerkt, und Cesare fuhr mit Hilfe seines Vaters alle militärischen und diplomatischen Geschütze auf, um die Söldnerführer einzuschüchtern. Schließlich gab es Verhandlungen, er vergab ihnen ihren Verrat und sie kehrten in seine Dienste zurück. Sie eroberten für ihn Senigallia, und Cesare stieß, voll des Lobes, zu ihnen. Doch die Sicherheit trügte. Statt den Sieg mit ihnen zu feiern, wurden sie allesamt festgenommen und im stillen Kämmerlein erdrosselt.14 Es war wohl vor allem diese Rache, die Machiavelli (der zu jenem Zeitpunkt in engem Kontakt mit Cesare stand) dazu inspirierte, sich Gedanken über die Balance von Grausamkeit und scheinbarer Milde zu machen, die seine Theorie über die erfolgreiche Fürstenherrschaft prägen sollte.15

Statue von Machiavelli in Florenz.

Der Staatstheoretiker Machiavelli erhielt in Florenz eine eigene Statue, um sein Schaffen zu würdigen.

(Bildquelle16)

Michelotto

Der wichtigste Handlanger von Cesare Borgia und vielleicht der Mensch, dem er am meisten vertraute, war Miguel de Corella, genannt Michelotto. Über seine Herkunft ist kaum etwas bekannt, möglicherweise stammte er wie die Borgia aus Valencia und möglicherweise kannte er Cesare schon seit seiner Kindheit. Jedenfalls kennt die Geschichte ihn als dessen Schlächter – diejenigen Morde, die historisch tatsächlich verbürgt sind, gehen mit großer Wahrscheinlichkeit auf sein Konto.17

3. Lucrezia als Heiratsgut

Lucrezia war als mit Abstand jüngste Tochter des Papstes sein Nesthäkchen. Gleichzeitig dienten Töchter immer als Heiratsmaterial, ganz egal, wie sehr sie von ihren Familien geliebt wurden. So war es auch für Rodrigo Borgia selbstverständlich, seine Tochter für seine politischen Ambitionen einzusetzen. Für die Verlobungsverhandlungen war stets einige Diplomatie vonnöten, denn die Papstkinder waren unehelich und damit natürlich nicht geeignet für Verbindungen mit dem Hochadel. Eigentlich, denn klingende Münze und die Vorteile eines Bündnisses mit dem Papst überzeugten so manchen Kandidaten.

Bildnis von Lucrezia Borgia auf einer Münze.

Eine der wenigen zweifelsfreien Abbildungen Lucrezias auf einer Münze von 1505.

(Bildquelle18)

3.1. Giovanni Sforza

Nachdem bereits in Lucrezias Kindheit einige Verlobungen geschlossen und wieder aufgelöst worden waren, wurde es kurz nach der Wahl ihres Vaters zum Papst ernst für die gerade 13-Jährige. Giovanni Sforza sollte ihr Ehemann werden. Er war verwandt mit der oben genannten tigressa Caterina Sforza (nämlich ihr Neffe) und seinerseits unehelich, herrschte aber als Stadtherr über Pesaro.

Rosenkrieg

Es gibt wenige Zeugnisse darüber, wie es der jugendlichen Lucrezia als Herrin von Pesaro erging. Gut belegt sind jedoch die Differenzen, die zum Ende der Ehe führten. Sie waren vorrangig politischer Natur. 1494 begannen mit dem Feldzug des französischen Königs, Karl VIII., die Italienischen Kriege. Zunächst ging es darum, welcher Fürst Anspruch auf Neapel hatte. Durch die komplizierten Heiratsbündnisse konnten nämlich oftmals mehrere Herrscher ein solches Erbrecht ableiten. Während die mailändischen Sforza sich mit den Franzosen verbündeten, schlossen sich die üblichen italienischen Territorien auf der Gegenseite zusammen. Giovanni Sforza, der Bindungen zu beiden Lagern hatte, versuchte sich als eine Art Doppelagent, was wiederum die Borgia verärgerte.

Nachdem sich Giovanni und Lucrezia wieder einige Zeit in Rom aufgehalten hatten, flüchtete ihr Ehemann im März 1497 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Pesaro. Es hatte Auseinandersetzungen mit Lucrezias Brüdern gegeben, und manch einer behauptet, Giovanni sei durch die Flucht gerade so einem Mordversuch entronnen. Spätestens jetzt musste die Ehe aufgelöst werden.

Münze mit dem Bildnis von Giovanni Sforza.

Giovanni Sforza.

(Bildquelle19)

Nun waren Scheidungen, wie man sie heute kennt, in der katholischen Kirche aber nicht vorgesehen. Eine Ehe konnte lediglich aufgelöst werden, wenn man sie für ungültig erklärte – etwa, weil von vorneherein Hinderungsgründe bestanden hatten, oder weil sie nicht vollzogen worden war.20 Praktischerweise war letzten Endes der Papst für derlei Entscheidungen zuständig. Im Dezember 1497 war es schließlich soweit, und als offizieller Scheidungsgrund wurde die Impotenz Giovanni Sforzas angegeben. Fraglos eine große Demütigung. Wahrscheinlich wegen dieser Kränkung schürte Giovanni das Gerücht, in Wirklichkeit habe der Papst die Scheidung durchgesetzt, damit er und Cesare sich ungestört an Lucrezia vergehen könnten. Damit war der späteren Inzest-Legende der Weg geebnet.

Infans Romanus

Lässt man dieses Motiv außer Acht (Belege für ein derartiges Verhältnis gibt es nicht), scheint dennoch klar, dass es sich bei der Begründung für die Auflösung der Ehe um einen rein politischen Schachzug handelte. Giovanni Sforza heiratete später erneut und zeugte mehrere Kinder. Besonders brisant wird die Geschichte deshalb, weil Lucrezia vor einer Kommission geschworen hatte, noch jungfräulich zu sein. Ziemlich genau zur gleichen Zeit kam jedoch ein mysteriöses Kind zur Welt, von dem man bis heute nicht weiß, wer genau seine Eltern waren: Giovanni Borgia, das infans romanus.21

Der kleine Junge kam im Frühjahr 1498 zur Welt und bekam als Familienmitglied der Borgia ein Herzogtum zugewiesen. 1501 erkannte Papst Alexander VI. ihn in einer geheimen Urkunde als seinen Sohn an, nachdem davor offiziell Cesare als Vater angegeben worden war – in beiden Fällen wurde keine namentliche Aussage über die Mutter gemacht. Es gibt jedoch auch Vermutungen, dass es sich um Lucrezias Kind handelte. Während des Scheidungsprozesses hielt sie sich im Kloster auf, sodass eine relativ unbemerkte Geburt durchaus im Bereich des Möglichen läge. Nach den mehr oder weniger skandalösen Theorien könnte es sich bei dem Papst oder Cesare um den Vater handeln, oder um einen anderen Liebhaber (jedenfalls wurde ein Diener des Papstes zusammen mit einer Zofe von Lucrezia kurz vor der Geburt ermordet aufgefunden).22

Ganz wird sich die Herkunft des Kindes wohl nie klären lassen, denn einerseits entspringen viele Aussagen dazu der üblen Nachrede der Zeitgenossen, andererseits trugen auch die Borgia selbst durch die einander widersprechenden Vaterschaftsurkunden zur Verschleierung bei. Später galt Giovanni jedenfalls offiziell als Lucrezias Bruder und lebte in ihrer Nähe.

3.2. Alfonso Bisceglie

Der Papst fackelte nicht lange, einen neuen Ehemann für seine Tochter zu finden. Noch 1498 wurde Lucrezias zweite Ehe geschlossen. Dieses Mal galt das politische Interesse einem Bündnis mit Neapel, das wiederum familiäre Beziehungen nach Spanien hatte. Und Spanien war neben Frankreich die zweite Großmacht, die in Italien mitmischte. So fiel die Wahl auf Alfonso Bisceglie.

Bildnis von Sancha von Aragón.

Sancha von Aragón, die Schwester von Alfonso Bisceglie und außerdem mit Lucrezias Bruder Jofré verheiratet.

(Bildquelle23)

Auch dieser Gatte war wieder ein unehelicher Spross, nämlich der des neapolitanischen Königs Alfons II. Mit ihm scheint Lucrezia eine recht liebevolle Beziehung geführt zu haben. 1499 kam ein Sohn mit dem Namen Rodrigo zur Welt. Wir wissen nicht, ob Lucrezia erleichtert war, dass nun so etwas wie häusliches Glück in ihr Leben Einzug gehalten hatte – es währte leider ohnehin nicht lange.

Ende mit Schrecken

Auch mit diesem Schwiegersohn gab es seitens des Papstes (und Cesares) bald Differenzen, denn das Blatt hatte sich erneut gewendet. Inzwischen waren die Borgia wieder mit Frankreich verbündet – gegen Neapel und Spanien. Wie davor schon Giovanni Sforza, stand Alfonso Bisceglie plötzlich der Bündnispolitik im Weg. Leider hatte er nicht so viel Glück wie sein Vorgänger.

Wer dafür verantwortlich war, ist nicht offiziell gesichert – aber am 15. Juli 1500 wurde Alfonso auf dem Heimweg überfallen und angegriffen. Er wurde verletzt, konnte sich mit seinen Begleitern aber in den Vatikan retten. Lucrezia und Sancha pflegten den Kranken. Der Überlieferung nach jedoch wurden etwa einen Monat später die beiden Frauen unter einem Vorwand aus dem Gemach gelockt. Michelotto, Cesares Mann für’s Grobe, erwürgte Alfonso auf dem Krankenbett. Es scheint bei den Zeitgenossen keinen Zweifel gegeben zu haben, dass der Papst oder Cesare hinter dem Mord steckten, denn Johannes Burckardt, der ungnädige Zeremonienmeister und Tagebuchschreiber, konstatierte lakonisch:

Da Alfonso sich weigerte, seinen Wunden zu erliegen, wurde er um vier Uhr nachmittags erdrosselt.24

3.3. Alfonso d’Este

In „Die letzte Borgia“ ist Lucrezia erschüttert über das Verbrechen an ihrem Ehemann, und der Mord droht, ihre so innige Beziehung zu Cesare zerbrechen zu lassen. Mehr und mehr hat es die junge Frau satt, für einen höheren Zweck herumgeschubst zu werden. Das nächste Heiratsprojekt ist daher ganz nach ihrem Geschmack – Schluss mit den unehelichen Adelssöhnen, nun hat sie die Aussicht, Herzogin zu werden.

Dass mit Alfonso d’Este nun der Sohn des Herzogs von Ferrara als Bräutigam im Raum stand, zeigt, dass die Borgia mit den Jahren höhere Forderungen stellen konnten. Allerdings war auch ein hoher Preis zu bezahlen. Nachdem Lucrezia, wenngleich ohne eigene Schuld, einen ersten Mann durch eine demütigende Scheidung und einen zweiten durch einen Mord verschlissen hatte, gab es in der guten Gesellschaft durchaus gewisse Vorbehalte gegen sie – und schließlich war sie noch immer die Bastardtochter des Papstes. Vielleicht hatte sie tatsächlich erkannt, dass sie selbst Schaden davongetragen hatte (sie trauerte aufrichtig und empört um den ermordeten Alfonso Bisceglie), denn anscheinend setzte sie sich vehement für eine Heirat mit Alfonso d’Este ein, um das Schicksal in eigene Hände zu nehmen.25

Gemälde von Tizian, das Alfonso d'Este zeigt.

Alfonso d’Este, Sohn von Ercole d’Este und künftiger Herzog von Ferrara.

(Bildquelle26)

Die Gesandten, die sie persönlich kennenlernten, wussten, ihrem schlechten Ruf zum Trotz, nur Gutes über Lucrezia zu berichten. Die politische Situation (schließlich zog Cesare mit seiner Armee durch die Romagna, und den Este-Verwandten winkten lukrative Positionen am päpstlichen Hof) und die Mitgift im Wert von 300.000 Dukaten taten schließlich ihr Übriges, und so wurde mit viel Pomp im Jahr 1501 die Ehe geschlossen. Bevor Lucrezia die Reise in ihr neues Herzogtum antreten konnte, musste die Mitgift übergeben, gezählt und auf Falschgeld überprüft werden – ein Indiz, dass die Ferraresen ihrer neuen Verwandtschaft nicht recht über den Weg trauten.

4. Die Herzogin von Ferrara

Mit großem Gefolge zog Lucrezia schließlich nach Ferrara. Mochte es auch Vorbehalte gegen ihre Person gegeben haben, so scheint sie spätestens bei der direkten Begegnung die meisten ihrer Zeitgenossen positiv gestimmt zu haben. Ihr wurde stets ein freundliches und einnehmendes Wesen bescheinigt.

Gemälde von Bartolomeo Veneto, das wahrscheinlich Lucrezia Borgia zeigt.

Wahrscheinlich zeigt dieses Bild Lucrezia als Herzogin von Ferrara.

(Bildquelle27)

Mit ihrem Schwiegervater, dem verwitweten Herzog Ercole d’Este, hat Lucrezia im Roman einige Konflikte auszufechten. Es dauert lang, bis sie sich seine Anerkennung erarbeitet, ebenso wie die ihres Mannes. Sie ist feinsinnig und sorgt dafür, dass Ferrara wieder einen prächtigen Hofstaat mit Künstlern und Gelehrten bekommt – während ihr Gatte eher ein Mann des Militärs ist und sich mit Prostituierten und Kriegsgerät die Zeit vertreibt. Mit ihrer Schwägerin Isabella d’Este führt sie darüber hinaus eine Art Konkurrenzkampf, wer die schönere und kultiviertere Dame ist. Dabei muss sie aufpassen, durch ihre Freundschaft zu einem gewissen Dichter nicht ins Gerede zu geraten.

4.1. Respekt und Ansehen

Es stimmt, dass Alfonso auch in der Realität Affären mit anderen Frauen hatte und viel Zeit mit der Entwicklung von Feuerwaffen verbrachte. Allerdings war auch er selbst ein Förderer der Künste und machte sich als Mäzen einen Namen. Das Zusammenleben der beiden scheint letztlich recht gut funktioniert zu haben, auch wenn sie wenige gemeinsame Interessen hatten. Sie bekamen acht gemeinsame Kinder, und Lucrezia war als Herzogin überaus beliebt bei der Bevölkerung.28

Bereits in früheren Jahren hatte Lucrezia zeitweise regiert. Papst Alexander hatte ihr die Herrschaft über Spoleto, Foligno und Nepi übertragen, und als er 1501 mit Cesare verreiste, fungierte sie sogar im Vatikan für etwa einen Monat als Stellvertreterin des Papstes.29 Dass es geduldet wurde, dass eine Frau die päpstliche Korrespondenz betreute und die Geschäfte führte, kann für die moralische Flexibilität der Kirche in jener Zeit, vor allem aber auch für ihren verständigen Charakter stehen.

Auch das Vertrauen ihres dritten Ehemannes scheint sie sich in dieser Hinsicht erworben zu haben, und er übergab ihr mehrfach die Regierungsgeschäfte. Ihr schlechter Leumund geriet immer mehr in den Hintergrund, und sie wurde mit der Zeit als Musterbeispiel einer Herzogin angesehen – als höchst ehrbare Frau.

Skizze von Leonardo da Vinci, die Isabella d'Este zeigt.

Isabella d’Este, ihrerseits eine Renaissance-Berühmtheit. Möglicherweise saß sie sogar Modell für Leonardo da Vincis Mona Lisa.

(Bildquelle30)

Zu einer Rivalität zwischen Lucrezia und der Schwester ihres Mannes, Isabella d’Este, konnte ich keine direkten Belege finden. Die schillernde Markgräfin von Mantua war eine der gebildetsten und kunstbegeistertsten Personen der italienischen Renaissance. Es scheint daher nicht ganz unrealistisch, dass sie mit Lucrezia darum buhlte, wer die größere Stilikone war.

Pietro Bembo

Einer der Künstler, der eine wichtige Rolle am Hof der Este spielte, war Pietro Bembo. Er war humanistischer Schriftsteller und Dichter, und ihm wird eine Liaison mit Lucrezia nachgesagt. Zwischen ihnen gibt es einen erhaltenen Briefwechsel. Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich dabei um eine Form der höfischen Verehrung oder höchstens um eine platonische Beziehung gehandelt hat – ich schätze Lucrezia nach heutigen Erkenntnissen nicht als Person ein, die Ehebruch begangen und damit ihre gefestigte Position und ihr Ansehen in Gefahr gebracht hätte.

Gemälde von Raffael, das Pietro Bembo als jungen Mann zeigt.

Pietro Bembo als junger Mann auf einem Bildnis von Raffael.

(Bildquelle31)

Bembo ging bereits 1503 aus Ferrara fort, entschied sich für eine kirchliche Laufbahn und wurde später sogar Kardinal. Angeblich ist in seinem Nachlass eine sorgfältig aufbewahrte Haarlocke von Lucrezia erhalten.

4.2. Die letzte Borgia

Wie man sieht, hat das echte Leben der Lucrezia Borgia wenig mit ihrem Ruf als Renaissance-Vamp und Giftmischerin gemein. Außereheliche Verhältnisse sind zwar (besonders für die ersten Jahre in Rom) nicht völlig auszuschließen, dafür, dass sie Menschen ermorden ließ, gibt es aber keinerlei Anhaltspunkte. Vielmehr reichte ihr Ansehen aus, um den Niedergang der familiären Macht als Einzige unbeschadet zu überstehen.

Der Papst ist tot

Im Sommer 1503 erkrankten Cesare und Rodrigo Borgia gleichzeitig. Nahezu sofort machte sich das Gerücht breit, bei einem Festmahl seien die Weinkelche verwechselt worden, und die beiden hätten deshalb versehentlich das Gift zu sich genommen, das eigentlich für ein anderes „Opfer“ bestimmt gewesen war. Auch hierfür gibt es keinerlei Belege. Es ist wahrscheinlicher, dass es sich um Malaria oder eine andere Seuche handelte, wie sie jeden Sommer in dicht besiedelten Städten mit schlechter Hygiene auftauchten – natürlich auch in Rom.

Rodrigo war ein Mann von über siebzig Jahren, und das Leben hatte bei ihm Spuren hinterlassen. Wahrscheinlich war seine Konstitution bereits geschwächt gewesen, als er krank wurde. Am 18. August schließlich erlag er dem Fieber.

Futter für die schwarze Legende

Die Legendenbildung nahm nach seinem Ableben jedoch erst richtig Fahrt auf. So heißt es, der Leichnam sei unnatürlich schnell verwest, sei rabenschwarz geworden und habe zu stinken begonnen (möglich, aber in der sommerlichen Hitze auch nicht weiter verwunderlich). Zudem seien Dämonen durch das Gemach geflogen, in dem der tote Papst aufgebahrt war. Die Zeitgenossen wurden also nicht müde, zu betonen, dass hier ein sündiges Pontifikat sein Ende gefunden hatte. Und dass Cesare, den die Borgia-Gegner wohl noch mehr fürchteten als den Papst, ebenfalls darniederlag, muss ihnen Anlass zu besonderer Freude gegeben haben.

Der Fall des Cesare Borgia

Die Territorialpolitik und die Feldzüge, die erst Juan und später Cesare unternommen hatten, dienten einem einzigen Ziel: den Borgia ein Herrschaftsgebiet zu sichern, das auch nach dem Pontifikat Alexanders VI. bestehen sollte. Und mit Sicherheit hatte Cesare einen Plan, wie er nach dem Tod seines Vaters vorgehen wollte, um seine Position möglichst gut zu verteidigen.

Mögliches Portrait Cesare Borgias von Altobello Melone.

Ein umstrittenes Portrait, das vielleicht Cesare Borgia zeigt.

(Bildquelle32)

Doch auch er war 1503, seinem virilen Ruf zum Trotz, womöglich nicht mehr gut beisammen. Bei seinen Feldzügen hatte er sich die Syphilis zugezogen – eine in jenen Jahren völlig neuartige Krankheit, süffisant „Franzosenkrankheit“ oder gar „Lustseuche“ genannt. Es heißt, um die Narben zu verdecken, habe er zuletzt stets eine schwarze Maske getragen. Eventuell beeinträchtigte das Fortschreiten der Krankheit auch seinen Geist. Dass ihn nun auch noch das Fieber erwischt hatte, schränkte seine Handlungsmöglichkeiten also just dann sehr ein, als er mit besonders starker Hand hätte auftreten müssen. Wie Machiavelli berichtet, erkannte Cesare später ganz nüchtern, dass er eben doch nicht unbesiegbar war:

Alles wäre [Cesare Borgia] leichtgefallen, wenn er nur beim Tod Alexanders gesund gewesen wäre. So sagte er mir in jenen Tagen, als Julius II. [zum Papst] gewählt wurde, er habe an alle Möglichkeiten gedacht, die mit dem Tod seines Vaters entstehen könnten, und für alle auch Abhilfe gefunden, nur habe er nie daran gedacht, bei dessen Tod selbst todkrank zu sein.33

Alle, die zuvor von den Borgia gedemütigt worden waren, begehrten nun auf und nutzten die Gunst der Stunde. Anstatt also die Papstwahl beeinflussen zu können, musste Cesare Rom verlassen. Gewählt wurde Pius III., der nach nur 26 Tagen an der Gicht starb. Danach wurde mit Giuliano della Rovere als Julius II. ein erbitterter Erzfeind der Borgia zum Stellvertreter Christi gemacht. Cesare hatte geglaubt, mit ihm paktieren zu können (die einzige Fehleinschätzung, die Machiavelli ihm bescheinigte), musste jedoch entmachtet bis nach Neapel fliehen, wurde schließlich festgenommen und nach Spanien gebracht, wahrscheinlich auch gefoltert.

Zunächst gelang ihm noch die Flucht nach Navarra, wo er dank der Familie seiner Ehefrau, Charlotte d’Albret, Unterstützung fand. Für einige Zeit verdingte er sich als Soldat in den Diensten seines Schwagers. 1507 geriet Cesare, der seine Begleiter abgehängt hatte, bei der Belagerung der Stadt Viana in einen Hinterhalt, wo er von zwanzig gegnerischen Soldaten niedergemacht wurde.34

5. Lucrezias Tod und Nachleben

Lucrezia muss der Tod ihres Vaters, und vor allem auch der ihres Bruders, schwer getroffen haben. Nach Alexanders Ableben hatte sie gar fürchten müssen, die Este würden ihre Ehe nun auflösen. Zu ihrem Glück hatte sie bei Alfonso und dem Volk bereits genug Ansehen gewonnen, sodass er nicht daran dachte, seine Frau wieder herzugeben. Sie musste sich jedoch auf ihre Pflichten konzentrieren und konnte ihre Trauer allenfalls privat ausleben. 1505 war auch ihr Schwiegervater gestorben, ihr Ehemann Herzog geworden. Nun galt es, die gemeinsamen Söhne zu künftigen Fürsten zu erziehen. Lucrezia führte fortan ein zurückgezogeneres Leben als früher, förderte nicht mehr nur Künstler und Gelehrte, sondern auch Kirchen und Klöster und half mit, Ferrara zu regieren.

Gedenkplakette mit dem Bildnis von Lucrezia Borgia als Herzogin von Ferrara.

Lucrezia lässt ihren Sohn vom Schutzheiligen von Ferrara segnen (Gedenkplakette).

(Bildquelle35)

In ihrer Ehe mit Alfonso d’Este war Lucrezia fast jedes Jahr schwanger. Sie erlitt einige Fehlgeburten, und nicht alle Kinder lebten lang. 1519 konnte schließlich auch ihr eigener Körper nicht mehr. Im Alter von 39 Jahren brachte sie ein Mädchen zur Welt, das kurz nach der Geburt starb. Lucrezia selbst erkrankte am Kindbettfieber. Ihr war bewusst, dass das Ende bevorstand, denn sie ließ einen Brief an Papst Leo X. diktieren und bat ihn, für sie zu beten.

Ein Brief von Alfonso d’Este an seinen Vetter zeigt, dass die Eheleute sich vielleicht nicht in Leidenschaft, wohl aber in gegenseitigem Respekt zugetan gewesen sein müssen:

Unserem Herrn hat es gefallen, die Seele der Erlauchtesten Frau Herzogin, meiner teuersten Gattin, zu sich zu rufen. Und nicht ohne Tränen kann ich das schreiben, so schwer wird es mir, mich einer so lieben und süßen Gefährtin beraubt zu sehen, denn das war sie mir durch ihre guten Sitten und die zärtliche Liebe, die zwischen uns bestand.36

In vielen Verleumdungen rund um die Borgia kann ein wahrer Kern stecken – zu keiner Zeit, und schon gar nicht in der Renaissance, waren die Menschen frei von Skrupellosigkeit und Brutalität. Es scheint jedoch klar, dass viele Berichte über die Ausschweifungen und Untaten dieser Familie absurd überzogen sind. Während Cesare wahrscheinlich wirklich kein allzu angenehmer Zeitgenosse war, muss besonders das populärkulturelle Bild von Lucrezia als sexuell ausschweifender (gar inzestuöser) Giftmischerin zurückgewiesen werden. Ihr fröhliches Wesen konnte sie im höfischen Spiel, vielleicht beim harmlosen Flirt mit ihren Dichtern, zur Schau stellen und sich dafür bewundern lassen. Abseits davon waren ihre Freiheiten zeitlebens begrenzt. Zuerst unter dem Einfluss ihres zwar liebenden, aber auch rücksichtslosen Vaters, und zuletzt dem ihres Ehemannes am Hof der Este, hatte sie kaum großen persönlichen Spielraum. Um es mit Alois Uhl zu sagen:

Man muss daher sehr viel Fantasie investieren, um aus ihrem Leben eine Skandalgeschichte zu gestalten.37

6. Rezension

Cover des Romans "Die letzte Borgia" von Sarah Dunant.

Sarah Dunant: Die letzte Borgia, insel taschenbuch.

Der Roman hat mir trotz einiger Schwächen besser gefallen als der erste Teil. Vom Aufbau her ähneln sich die beiden Romane sehr, hier geht es nun vermehrt um Lucrezia und Cesare. Deshalb finde ich den englischen Titel „In the name of the family“ passender als den deutschen, der suggeriert, dass Lucrezia allein die Hauptperson wäre. Wie schon in „Der Palast der Borgia“ wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, auch die Geschicke Papst Alexanders VI. und den Werdegang des Staatstheoretikers Niccolò Machiavelli verfolgen wir als Leser. Das bedeutet, dass es wieder keinen klaren Handlungsträger gibt, der einem Spannungsbogen folgt. Vielmehr werden die historischen Geschehnisse möglichst umfassend beleuchtet und gedeutet. Dabei merkt man, wie detailliert Sarah Dunant die politische Situation recherchiert hat. Dass sie diese möglichst ganzheitlich im Roman unterbringen will, geht bisweilen auf Kosten der Story – es ist doch immer wieder notwendig, erklärende Passagen zu den Sachverhalten einzubauen, auch wenn diese etwas weniger ausführlich geraten sind als im ersten Roman.

Die Charaktere sind dabei wieder vielschichtig gezeichnet, und die Autorin versucht, abseits der Mythen und Legenden ein differenziertes Bild der historischen Persönlichkeiten aufzubauen, was ihr nachvollziehbar gelingt. Sowohl den Verfall des alternden Papstes und die Schwierigkeiten Cesares, als auch Lucrezias Wandlung zur selbstbewussten Herzogin bildet Dunant überzeugend ab und zeigt auf, dass auch das privilegierteste Leben seine Schattenseiten hatte.

Durch die Form des Buches wurde ich dennoch nicht völlig in die Geschichte hineingesogen. Stil und Aufbau sind nicht so mitreißend-spannend wie in anderen Romanen, und bisweilen haben sich anachronistische Begriffe eingeschlichen, die nicht zur Renaissance passen, etwa „Chefberater“, „Souvenir“ oder „Abenteuerroman“ (inwieweit das der Übersetzung anzulasten ist, kann ich nicht beurteilen).

So ist „Die letzte Borgia“ für mich als Roman mit moderner Sichtweise auf die damaligen Geschehnisse zu sehen – es geht weniger darum, diese authentisch-atmosphärisch zum Leben zu erwecken. Das auf das Buch aufgedruckte Lob der New York Times, dass Sarah Dunant „auf den Spuren von Hilary Mantel wandelt“, die ich für eine herausragende Autorin halte, kann ich daher nicht unterschreiben. Trotzdem finde ich auch diese etwas andere Romanform sehr interessant, da sie zum Nachdenken über die historischen Figuren anregt. Die beiden Romane, „Der Palast der Borgia“ und „Die letzte Borgia“, bilden damit ein gelungenes Ensemble und eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die Borgia und das Italien der Renaissance interessieren.

Sarah Dunant: Die letzte Borgia, insel, 522 Seiten.

>>Link zum Verlag<<


 

  1. Uhl, Alois: Papstkinder. Lebensbilder aus der Zeit der Renaissance, Düsseldorf/Zürich, 2003, S. 76-78.
  2. Papst Alexander VI., Foto von Cristofano dell’Altissimo, http://www.comune.fe.it/diamanti/mostra_lucrezia/quadri/q08.htm, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=458767, Zugriff am 22.06.2018.
  3. Cloulas, Ivan: Die Borgias. Biographie einer Familiendynastie, Zürich 1988, S.89-90.
  4. Kopie nach Bartolomeo Veneto: Cesare Borgia, Herzog von Valentinois, Scan aus: Uwe Neumahr: Cesare Borgia. Der Fürst und die italienische Renaissance, Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-04854-5, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15444894, Zugriff am 10.09.2018.
  5. Bradford, Sarah: Cesare Borgia. Ein Leben in der Renaissance, Hamburg 1979, S. 95.
  6. Niccolò Machiavelli: Der Fürst, Stuttgart 2014, S. 63.
  7. Neumahr, Uwe: Cesare Borgia. Der Fürst und die italienische Renaissance, München/Zürich 2007, S. 180.
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  17. Bradford, Sarah: Lucrezia Borgia. Life, Love and Death in Renaissance Italy, London 2004, S. 91.
  18. Münze mit dem Bildnis von Lucrezia Borgia, geprägt 1505, Kupferstich des Berliner Münzcabinetts für Blätter für Münz-, Siegel- und Wappenkunde, Bd. III, Berlin 1806; Biographie Lucrezia Borgia. Nach Urkunden und Correspondenzen ihrer eigenen Zeit von Ferdinand Gregorovius, Verlag der J.G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart 1874, Scan 2010, Public Domain, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=5877277, Zugriff am 13.09.2018.
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  23. Sancha von Aragón, von Carolbjca, http://carolbjca.blogspot.com/2009/08/dona-sancha-de-aragon-la-cautiva-de-los.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22199632, Zugriff am 13.09.2018.
  24. Zitiert nach: Bradford, Sarah: Cesare Borgia. Ein Leben in der Renaissance, Hamburg 1979.
  25. Uhl, Alois: Papstkinder. Lebensbilder aus der Zeit der Renaissance, Düsseldorf/Zürich, 2003, S. 99.
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  28. Uhl, Alois: Papstkinder. Lebensbilder aus der Zeit der Renaissance, Düsseldorf/Zürich, 2003, S. 103-104.
  29. Uhl, Alois: Papstkinder. Lebensbilder aus der Zeit der Renaissance, Düsseldorf/Zürich, 2003, S. 99-100.
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  33. Niccolò Machiavelli: Der Fürst, Stuttgart 2014, S. 36-37.
  34. Uhl, Alois: Papstkinder. Lebensbilder aus der Zeit der Renaissance, Düsseldorf/Zürich, 2003, S. 88-89.
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  36. Ferdinand Gregorovius: Lucrezia Borgia, Ersterscheinung 1874, Köln 1954, S. 272.
  37. Uhl, Alois: Papstkinder. Lebensbilder aus der Zeit der Renaissance, Düsseldorf/Zürich, 2003, S. 106.

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